Sprachdiktaten widerstehen

Hannover, Augsburg und jetzt auch Gießen. Immer mehr Städte führen bei ihrem Schriftverkehr die „geschlechtergerechte Sprache“ ein. Mal sind es Arbeitshilfen, mal sind es konkrete Anweisungen, wie sich die Angestellten der Verwaltungen äußern müssen. Jüngst schrieb der ehemaligen Herausgeber der WELT, Thomas Schmid, „Es weht ein muffiger Wind der Unfreiheit, des geistigen Zwangs und einer unbelehrbaren Engstirnigkeit.“

 Wohin führt diese Entwicklung? Entsteht dadurch mehr Gerechtigkeit? Wohl kaum, argumentieren zwei Initiativen. Seit dem Aschermittwoch richten sich zwei Petitionen an die Öffentlichkeit, um dieser närrischen Einfallslosigkeit der „Genderisierung“ einen vernünftigen Gegenruf entgegenzusetzen. Der „Verein deutsche Sprache e.V.“ sagt jetzt: „Schluss mit dem Gender-Unfug“ und die Initiative „Stop Gendersprache Jetzt“ bringt das gleiche Anliegen zum Ausdruck.

Die Argumente

Der „Verein deutsche Sprache e.V.“ führt vier Argumente an:

  • Das erste ist der Generalirrtum, dass es einen festen Zusammenhang zwischen natürlichem und grammatikalischem Geschlecht gibt.
  • Zum Zweiten führe die Gender-Sprache zu lächerlichen Sprachgebilden: Die Radfahrenden und die Fahrzeugführenden, die schon in die Straßenverkehrsordnung vorgedrungen sind. Die Studierenden haben schon die Universitäten und die Arbeitnehmenden viele Betriebe erobert. Dazu komme zunehmend die Verrenkung mit dem Gender*sternchen.
  • Drittens sei der Gender-Sprachgebrauch im Alltag nicht durchzuhalten: „Wie kommt der Bürgermeister dazu, sich bei den Wählerinnen und Wählern zu bedanken – ohne einzusehen, dass er sich natürlich „Bürgerinnen- und Bürgermeister“ nennen müsste? Wie lange können wir noch auf ein Einwohnerinnen- und Einwohnermeldeamt verzichten?“
  • Schließlich helfe die Sprachverzerrung Frauen nicht zu mehr Rechten. Frau Merkel sei auch ohne diese Verzerrungen Bundeskanzlerin geworden, obwohl im Grundgesetz nur von Bundeskanzler die Rede ist.

Die Initiative „Stop Gendersprache Jetzt“ bringt es auf den Punkt: „Wir lehnen eine Bevormundung durch amtliche Sprachregelungen ab. Wir erklären, in der Gendersprache weder schreiben noch sprechen zu wollen. Wir empfehlen allen, den Gebrauch der Gendersprache mit ihren gekünstelten Formeln und Zeichenkombinationen zu verweigern.“

  • Die Initiative „Stop Gendersprache Jetzt“ kann man hier unterzeichnen.
  • Die Initiative des „Vereins deutsche Sprache e.V.“ mit „Schluss mit dem Gender-Unfug“ kann man hier unterzeichnen.

Als es um die Einführung der „geschlechtergerechten Sprache“ in dem baden-württembergischen Bildungsplan ging, haben wir frühzeitig auf das Problem hingewiesen und einen Flyer dazu herausgegeben, der weiterhin bezogen werden kann:

In der Sprache geht es um Ausübung von Macht. Die Beobachtung machte der französische Philosoph Michel Foucault, dass Sprache festlegt, was als Wahrheit gilt. Wer festlegt, wie die Sprache gebraucht, gedeutet und umgedeutet wird, übt Macht und Herrschaft aus. Eine Diskussion über die sprachmanipulatorischen Ansätze und einen orwellschen Gender-Sprech ist überfällig. Ebenso unerlässlich ist eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber, auf welches kulturelle Wertgefüge sich unser Denken, Reden und Handeln hinbewegt.

Zurück