Nachgefragt - was die Kleine Anfrage über die Leitperspektive BTV über Anfragesteller und Unterrichtswirklichkeit verrät

Im Juni 2018 hat Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann eine Kleine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Daniel Born beantwortet. Begründet hatte Born die Kleine Anfrage mit den Negativerfahrungen von befragten LSBTTIQ-Schülern. 73% von diesen hatten im Jahr 2014 angegeben, in den letzten fünf Jahren in der Schule diskriminierende Erfahrungen gemacht zu haben. 

Nach dem öffentlichen Druck in Folge der Bildungsplan-Petition betonten Ministerpräsident Kretschmann und Kultusminister Stoch bei der Vorstellung der Leitperspektiven im April 2014, dass diese „auch das Thema Akzeptanz sexueller Vielfalt“ beinhalte. Liest man die Fragen des Abgeordneten Born, wird schnell klar, dass es ihm nicht um das „auch“, sondern ausschließlich um das „nur“ des Themas „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ geht.

Die erste Frage hat zum Inhalt, welches Referat im Kultusministerium für die Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ (BTV) zuständig ist. Die dritte und vierte Frage dreht sich darum, welche Fortbildungsangebote es gibt und wie sie genutzt werden. Alle anderen Fragen haben nur ein Thema zum Gegenstand: „sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentität“ oder LSBTTIQ. Fragen von Integration, dem gelingenden interkulturellen Zusammenleben, dem Problem des Links-, Rechts- oder muslimischen Extremismus bzw. Antisemitismus an der Schule existieren in der Wahrnehmung des Abgeordneten Born von der SPD anscheinend nicht. Das im August 2013, also ziemlich genau vor fünf Jahren, gestartete Projekt der SPD, „Homosexualität als Pflichtstoff an allen Schulen“ zu machen, hat sich im Kern nicht geändert.

 

Wie antwortete nun Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann?

  • Ausbau der Beratungskompetenz: Dies wird von der Kultusministerin durch die schulpsychologischen Beratungsstellen sichergestellt, die bei „Problemlagen von sogenannten LSBTTIQ-Schülern“ Unterstützung anbieten.
  • Bei Fortbildungen verweist Frau Dr. Eisenmann auf die zentralen und regionalen Angebote, ohne die jeweiligen Angebote bzw. Teilnehmerzahlen zu benennen. Lediglich werden die Online-Fortbildungen, die sogenannten MOOC, zu allen Leitperspektiven angeführt, an denen 3.000 Lehrkräfte teilnahmen.
  • Beispielcurricula und Unterrichtshilfen für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität stehen den Schulen „zwischenzeitlich zur Umsetzung des Bildungsplans 2016 durch das Landesinstitut für Schulentwicklung erstellte Umsetzungshilfen wie Beispielcurricula sowie durch Verlage erstellte Lehr- und Lernmittel für alle Fächer zur Verfügung“ (S. 3). Aufgeführt werden für die Grundschule in Klasse 3/4 im Sachunterricht das Thema „Körper und Gesundheit“, für die allgemeinbildenden Gymnasien in den Klassen 7/8 in Biologie „Fortpflanzung und Entwicklung“, sowie in Klassen 9/10 in Ethik „Liebe und Sexualität“ und in Deutsch in den Klassen 9/10 „Literarische Texte“.
    Kultusministerin Eisenmann betont in dem Zusammenhang: „Zentral ist, dass die Beispielcurricula keinen Anspruch einer normativen Vorgabe auch bzgl. der jeweiligen Umsetzungshilfen und -szenarien erheben, sondern vielmehr als beispielhafte Vorlage zur Unterrichtsplanung und -gestaltung dienen. Diese kann bei der Erstellung oder Weiterentwicklung von schul- und fachspezifischen Jahresplanungen ebenso hilfreich sein wie bei der konkreten Unterrichtsplanung der Lehrkräfte.
  • Aufklärungsprojekte von LSBT-Interessensgruppen: Über den Umfang der Aktivitäten von PLUS e.V. (Mannheim), FLUSS e.V. (Freiburg) oder FETZ (Stuttgart) kann das Kultusministerium keine Aussagen machen, weil die „im Verantwortungsbereich der jeweiligen Schulleitung“ liege. Finanziell unterstützt wurden solche Projekte weder vom Kultusministerium noch von den Regierungspräsidien.

 

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