Lautlose Inkraftsetzung des Bildungsplans – Rolle Rückwärts in den letzten Wochen vor der Wahl?

Die Lautlosigkeit, mit der der Bildungsplan 2016 in Kraft treten soll überrascht, angesichts der Kontroversität des Themas in den letzten zwei Jahren. Ist eines der Kernthemen grün-roter Bildungspolitik zu heiß, so dass man es aus dem Wahlkampf heraushalten möchte? Nach vorliegenden Informationen plant Kultusminister Andreas Stoch den Bildungsplan einen Tag vor der Landtagswahl am 12.03.2016 zu unterzeichnen. Folgende Tatsachen überraschen:

  • Es gab keine Landtagsdebatte nach der Anhörungsphase mehr, obwohl das Thema bekanntermaßen zehntausende Menschen in Baden-Württemberg brennend interessiert und mobilisiert hat.
  • Der zuständige Bildungsausschuss des Landtags soll vor der Verabschiedung des  Bildungsplans nicht befragt werden.
  • Das Kabinett Kretschmann scheint nicht einmal mehr durch einen Regierungsbeschluss mit dem „Bildungsplan“ in Verbindung gebracht werden zu wollen.

Der Transparenz folgt das Mauern

Dreieinhalb Monate nach Abschluss der Anhörungsphase sind nur vereinzelt überarbeitete Dokumente zu den einzelnen Fächern online gestellt worden. Ob und wie viele Rückmeldungen überhaupt eingearbeitet worden sind, ist weiterhin völlig offen. So sind selbst katastrophale Schnitzer immer noch nicht nachgebessert, wie z.B. die Kompetenzformulierung im Fach Islamische Religionslehre: „Schülerinnen und Schüler erläutern gewissenhaft ihre eigenen und fremden Vorurteile gegenüber dem Christentum und dem Judentum.“[1]

Nicht gemachte Hausaufgaben

Wenn das auf ca. 4000 Seiten konzipierte Textmonstrum des „Bildungsplans 2016“ den allgemeinbildenden Schulen in den nächsten zehn Jahren tatsächlich eine Orientierung geben soll, dann muss der Kern, das Menschenbild stimmen. Der lang angekündigte Einführungstext lässt immer noch auf sich warten. Was das Kultusministerium unter dem Einsatz einer „geschlechtergerechten Sprache“ als durchgängiges Prinzip des Bildungsplans und des Unterrichtens versteht, ist wie die Begrifflichkeit des umstrittenen Akzeptanz-Begriffs weiterhin unklar.
Wir begrüßen die Aufforderung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg[2], dass „Kultusverwaltung und Politik den Einfluss von Lobbygruppen aus den Bildungsplänen zurückdrängen sollen. Sonst seien Vertrauen und gesellschaftlicher Konsens in den Schulen gefährdet.“ Wir werden als Petitionsinitiative Zukunft – Verantwortung – Lernen e.V. uns genau für dieses von Oberkirchenrat Baur deutlich benannte Anliegen weiterhin einsetzen.

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