Abschied vom Gründungsmythos

Die Kultfigur der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ Helmut Kentler ist entzaubert

Das Denkmal des Vordenkers der „Sexualpädagogik der Vielfalt“, Helmut Kentler, fing schon seit einiger Zeit an zu bröckeln.(1) Der Sexualwissenschaftler Kentler hatte ab 1969 drei Jungen aus staatlichen Heimen bei vorbestraften Päderasten untergebracht. Unter dem Segen der von der SPD geführten Berliner Senatsverwaltung, wurden nicht nur Päderasten mit Steuergelder finanziert, sondern ihnen wurde ermöglicht, ihre sexuelle Präferenzen offiziell, legal und ohne Angst vor strafrechtlicher Verfolgung nachzugehen. „Helmut Kentler hatte klipp und klar gesagt: Mir war klar, dass die drei Männer vor allem darum so viel für ‚ihren‘ Jungen taten, weil sie mit ihm ein sexuelles Verhältnis hatten. Hatten – nicht: haben wollten.“(2) Ihm ging es um die Vision einer freien Sexualität im Kindesalter.(3) Kentlers Eintreten für pädosexuelle Interessen tat seinem Ansehen in der sexualpädagogischen Community keinen Abbruch. Im Gegenteil. Kentler wird bis heute von seinen „Schülern“ wie Uwe Sielert oder Rüdiger Lautmann, und von der „Enkelgeneration“ wie Elisabeth Tuider und Stefan Timmermanns als herausragender Wissenschaftler gefeiert. Die programmatische Richtung, die Kentler für die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ vorgab, unterstrich Tuider in einem Vortrag zum 10jährigen Jubiläum von SchLAu NRW im Jahr 2010: „Die von Helmut Kentler begründete emanzipatorische Sexualpädagogik stellt heute in weiten Teilen die Grundlage der sexualpädagogischen Praxisarbeit dar und auch die sexualpädagogischen Institutionen beziehen sich darauf.“(4)

Wissenschaftsbetrug

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 4.10.2015 zerlegt Regine Pfeiffer Kentlers Gutachten, das er 1988 für den Berliner Senat schrieb. Darin wollte er beweisen, dass Kinder von Päderasten profitieren würden. Für Pfeiffer ein klarer Fall von Wissenschaftsbetrug. R. Pfeiffer wies nach, wie Kentler die Aussagen von Ralph Tindalls Aufsatz „The Male Adolescent involved with a Pederast becomes an Adult“ im Journal of Homosexuality 4 (1978) entnahm und sie für seine Zwecke weiter verwendete.

Tindall legte neun Fälle vor, bei denen ältere Männer mit minderjährigen Jungen sexuelle Beziehungen hatten. Die Daten sammelte Tindall über einen Zeitraum von 30 Jahren. „Was Kentler brauchte, waren konkrete Informationen, die belegten, dass die Folgen pädosexueller Erfahrungen für die Jugendlichen „unter bestimmten Bedingungen als sehr positiv beurteilt werden können.“(5) Dafür hatte Tindall jedoch wenig zu bieten. Ihm war es in erster Linie um den Nachweis gegangen, dass die Jungen durch eine päderastische Beziehung nicht homosexuell geworden waren. Was die weiteren Folgen der pädosexuellen „Beziehung“ anging, genügte ihm der Nachweis einer bürgerlichen Existenz.“(6) Pfeiffer stellt ausführlich dar, wie Kentler zentrale Aussagen von Tindalls Studie verschwieg, andere Teile der Studie verdrehte oder sie verfälschte, zusätzlich Sachen dazu erfand und schließlich Wirkung und Ursache vertauschte. Während Tindall vorsichtig argumentierte und auf die spärlichen Daten hinwies, vermittelte Kentler den Eindruck, dass einem Jungen nichts Besseres passieren konnte, als in die Hände eines älteren Mannes zu geraten.

Konsequenzen?

Gibt es Konsequenzen? Die traurige Tatsache, vor der wir im Jahr 2015 stehen, ist die, dass Kentlers Jüngerschar zwar andere Wege als ihr großes Vorbild wählt, sich aber von seiner Vision und seinen Zielen nicht trennt.

1. Missbrauchsforschung

Die Zunft um Uwe Sielert hat ein Meinungsmonopol geschaffen, das die sexuelle Vielfaltspädagogik als alternativlos darstellt. Besonders skurril ist die Tatsache, dass gerade die Gruppe um Elisabeth Tuider sich dem Thema „Prävention von sexuellem Missbrauch“ widmet, wie Heike Schmoll in der FAZ vom 2.07.2015 beleuchtete. Dazu schlägt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig Alarm: Schamgefühle seien „ein wichtiger Schutz für Mädchen und Jungen, und es sei eine bekannte Täterstrategie, Kinder in Gespräche über sexuelle Themen zu verwickeln und ihre schützenden Widerstände mit ‚falscher Scham’ abzutun.“(7) Man kann also nur hoffen, dass es nicht zu Wiederholungen kommt, in denen die „Wohltäter“ zu Tätern werden, wie es bei den vom großen Vorbild Helmut Kentler vermittelten Männern der Fall war.

2. Wissenschaftliche Redlichkeit?

Dass Kentler immer noch für viele Wissenschaftler als “Vorbild für öffentliche Wissenschaft” gefeiert wird, ist mehr als befremdlich, „jedenfalls dann, wenn man ein Bild von Wissenschaft hat, das wissenschaftliche Lauterkeit an erste Stelle setzt und wissenschaftliche Lauterkeit verbietet es, drei Jungen zu Versuchskaninchen für die eigene ideologische Phantasie zu machen; sie verbietet es, neun Fallstudien zu allgemeinen Belegen aufzublasen, und sie verbietet es überhaupt, das Leben Dritter einer intellektuellen Laune zu opfern.“(8)

3. Auswirkungen auf Bildungspläne

Science Files weist treffend auf das zentrale Problem hin: „So wie Kentler die Individualität der Jungen, die er ‚überzeugt’ hat, sich in die Obhut von Päderasten zu begeben, mit Füßen tritt, um seine Vision einer freien Sexualität ab Kindesalter zu verwirklichen, so wie es ihm vollkommen egal ist, welche Kollateralschäden die Durchsetzung seiner Vision nach sich zieht, so ist es den rot-grünen Sexualaufklärern, die in Bildungsplänen Kindern bereits in Grundschulen sexuelle Praktiken beibringen wollen, egal, welche Konsequenzen die entsprechende Aufklärung für die Kinder hat. Es geht ihnen wie Kentler nicht um die lumpigen Individuen, die als Crash Test Dummies für ihre Versuche herhalten, sondern darum, ihre Weltvision, die manche als kranke Phantasie ansehen, auf Kosten anderer und ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen.“(9)

Man darf gespannt sein, wie sich die weitere Diskussion entwickelt.

Quellen

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